Diesen Herbst packte ich die Gelegenheit, und schrieb mich zu einem Pilzkunde-Anf├Ąngerkurs ein. Zwar hatte ich mir vor einigen Jahren bereits ein recht ordentliches Wissen ├╝ber Pilze im Selbststudium erworben, das meiste davon aber leider inzwischen l├Ąngst wieder vergessen. Nun unter fachkundiger Leitung einige spannende Theorieabende sowie zwei ergiebige und lehrreiche Pilz-Exkursion miterleben zu d├╝rfen, dies war eines der Highlights meines diesj├Ąhrigen Herbstes. Diesen jungen flockenstieligen Hexenr├Âhrling mit seiner beeindruckenden, blutroten Fruchtschicht an der Unterseite des Hutes habe ich Anfang September, kurz nach unserem ersten Theorieabend gefunden. R├Âhren und Fleisch werden auf Druck oder Schnitt sofort blau, etwas das fast ein wenig wie Hexerei anmutet. Dieser wundersch├Âne, grosse und kr├Ąftige Pilz ist, gut erhitzt und lange genug gekocht, ein sehr guter Speisepilz.


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Obschon dieser Herbst eigentlich bislang viel zu trocken war, um als guter Pilzherbst zu gelten: Bei eigentlich jedem meiner zahlreichen Pilzspazierg├Ąnge fand ich eine sch├Âne Anzahl h├Âchst verschiedener Pilze, welche ich an unsere Theorieabende mitbringen und besprechen lassen durfte. Es war f├╝r mich fast unglaublich, welche F├╝lle an sch├Ânen und verschiedenen Pilzarten wir an unseren Theorieabenden gesehen und an den Exkursionen gefunden haben. Im Anschluss an die letzte Exkursion durften wir als kr├Ânenden Abschluss des Kurses aus dem essbaren Anteil der vielen gefundenen Pilze ein wunderbares Feldk├╝chen-Pilzgericht geniessen, nachdem wir alle am grossen Tisch mithelfen durften beim Zubereiten bzw fachgerechten R├╝sten der K├Âstlichkeiten aus dem Wald. Nach Abschluss des Pilzkurses fand ich Anfang Oktober diesen wundersch├Ânen, eigenartig durch und durch goldfarbenen, kr├Ąftigen Pilz in stolzer Gr├Âsse direkt am Rand eines viel begangenen Waldweges inmitten der mit Brennesseln durchsetzten Krautschicht. Bevor ich ihn zuhause fotografieren konnte, hat ihn dann leider unser quirliger Windhund Qa'ani mit einem Hundespielzeug verwechselt, von der ganzen Sch├Ânheit des goldfarbenen Glimmersch├╝pplings ist daher nicht mehr sehr viel zu sehen auf dem Foto. Dennoch: Der Pilz hat sehr lecker geschmeckt!


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Diese wundersch├Ânen Habichtspilze wachsen in bestimmten Waldst├╝cken in unserer Gegend oft sehr ├╝ppig, sie k├Ânnen eine stattliche Gr├Âsse von bis zu 30 cm Hut-Durchmesser erreichen und wachsen typischerweise oft in Gruppen, Reihen oder Hexenringen. Der Hut ist mit grossen, dunklen, aufstehenden Schuppen bedeckt, und erinnert an ein Habicht-Gefieder. Die Hutunterseite tr├Ągt weder R├Âhren noch Lamellen, sondern eine Art Stacheln, welche bei ├Ąlteren Exemplaren bis zu 1 cm lang werden k├Ânnen. Der Pilz riecht w├╝rzig, junge Exemplare eignen sich sehr gut als Gew├╝rzpilze, am besten in getrockneter Form. So habe ich mich gestern erstmals an das Experiment gewagt, zwei frische, junge Habichtspilze, in feine Scheiben geschnitten, mangels eines D├Ârrex in meiner Heissluftfriteuse gut zu trocknen: Nun steht in meinem Vorrats-Schrank ein Glas frischer, "home-made" Pilzw├╝rze, f├╝r meine n├Ąchsten kulinarischen Experimente.


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Mit den lange ersehnten herbstlichen Regenschauern der vergangenen Tage schiessen die Pilze nun in grosser Zahl pr├Ąchtig aus dem Waldboden. Da stehen sie nun, ganze Gruppen der wundersch├Ânen roten Fliegenpilze, welche von all den fleissigen Pilzsammlern nat├╝rlich unber├╝hrt stehen gelassen werden, da schon jedes Kind weiss, dieser sch├Âne Pilz ist ein Giftpilz! F├╝r mich jedoch das klare Signal: Dort wo die Fliegenpilze wachsen, da f├╝hlen sich auch wohlschmeckende R├Âhrenpilze wohl! Vielleicht finde ich mit etwas Gl├╝ck ein paar Steinpilze, welche nicht die Wochenend-Pilzsammler schon weggepfl├╝ckt haben? Das Gl├╝ck war mir hold, gestern fand ich einen ganzen Korb voller Speisepilze, R├Âhrlinge - zwar keinen einzigen Steinpilz, aber Maronen-R├Âhrlinge und Rotfuss-R├Âhrlinge in grosser Zahl standen da im feuchten Waldboden, mein grosser Pilzkorb f├╝llte sich im Nu und wurde schwer und schwerer: Viel zu viele waren es, um sie alle gleich frisch verspeisen zu k├Ânnen, so dass ich einen grossen Teil davon frisch ger├╝stet und in kleine Portionen verpackt in meine Tiefk├╝hltruhe bringen konnte, f├╝r kommende Pilzgen├╝sse in der Winterzeit.


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Und nun, heute die allergr├Âsste ├ťberraschung dieses Pilz-Herbstes: Da gl├Ąnzten sie, in unscheinbarem Rauchgrau inmitten unseres Obstbaumgartens, meine allerersten im Freiland selber gezogenen Pilze! Mein "Pilzgarten" tr├Ągt erstmals Fr├╝chte!!! Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass ich teilgenommen hatte an einem "Einf├╝hrungskurs Pilzgarten". An dem praktischen Teil des Kurses durften wir unter anderem selber einige Holzrugel beimpfen mit Pilzbrut-D├╝beln, und diese mit nach Hause nehmen, um sie in unserem eigenen Grundst├╝ck auszupflanzen sobald das Pilzmyzel an einem gesch├╝tzten Ort das Holz gen├╝gend durchwachsen hatte. Diese Holzrugel hatte ich dann in unserem Obstbaumgarten im Boden vergraben, und Monat f├╝r Monat geschah nichts, nichts, und nochmals nichts. Ich hatte das Experiment bereits abgeschrieben, und nun das: Gestern noch hatte ich nichts dergleichen gesehn, und heute: Die Pilze wachsen!!! Auf dem Foto zu sehen ist ein Gr├╝ppchen wundersch├Âner Austernseitlinge, mein erster im Freiland selber gezogener Speise-Pilz!


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Auf dem Holzrugel nebenan, noch gr├Âsser, noch imposanter, eine Gruppe von h├╝bschen Lungenseitlingen, mit ihrem dekorativ gewellten Rand! Meine Begeisterung war grenzenlos, und inmitten meiner vier wild herumtollender Hunde stellte ich mich sch├╝tzend ├╝ber meine wundersch├Ânen Erstlings-Pilze und wusste nur eines: Diese meine ersten Seitlinge wollte ich nicht von ungest├╝men Hundepfoten zertreten lassen! Meine Fotokamera war zuhause geblieben, mit sowas hatte ich nicht gerechnet. Also: Sofortige Ernte, das Foto musste warten bis zuhause.


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Und bei dieser Gelegenheit noch eine Retrospektive: Mein Lungenseitling aus der Flasche. Der gelungene Gag: "Pilzzucht im B├╝chergestell". An dem Pilzgarten-Einf├╝hrungskurs durften wir, nebst dem Beimpfen der Holzrugel, auch einige PET-Flaschen f├╝llen mit geeignetem Substrat und Pilzbrut. Aus einer dieser "Pilzbrut-Flaschen, welche ich nicht verschenkt sondern in meinem eigenen B├╝chergestell deponiert hatte, war letztes Jahr im Dezember tats├Ąchlich der erwartete Pilz gewachsen: Ein Lungenseitling, den ich aber leider offensichtlich zu wenig feucht gehalten hatte. Der Pilz stellte irgendwann sein Wachstum ein und vertrocknete in seiner ganzen Sch├Ânheit. Dekorativ nach wie vor, aber f├╝r die K├╝che leider kein Thema mehr. Anf├Ąngerpech!


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Und hier noch ein Foto meines Flaschenpilzes, nachdem ich ihn aus der Flasche befreit hatte. Am Pilzfuss des ziemlich trockenen Lungenseitlings h├Ąngen noch einige Reste vom Pilz-Myzel. Eine fast ein wenig geisterhafte Erscheinung auf diesem Blitzlicht-Foto, wundersch├Ân und einmalig auf jeden Fall.









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