Ein ganz besonderes Ereignis hat uns die ganze vergangende Woche lang in Atem gehalten: Die Coursing-Europameisterschaft wurde dieses Jahr von "meinem" Verein, dem Windhundsportverein Bern, auf dem Gelände der Windhundrennbahn in Lotzwil durchgeführt. Für mich selbstverständlich, war dieser Anlass Grund genug, eine Woche Arbeitsferien zu investieren und mich als Helferin zu melden. Während die Leute vom OK bereits seit Monaten, ja sogar seit drei Jahren fleissig und wohl immer hektischer mit den aufwändigen Vorbereitungen an der Arbeit waren, fuhr ich am Sonntagabend vor dem grossen Anlass mit meinen drei Windhunden und Charengo im Wohnmobil nach Lotzwil. Unser Schmusedöggelchen Silja durfte in der Zeit eine Doggen-Ferienwoche bei einer befreundeten Doggenzüchterin geniessen. Sie sollte endlich mal wieder erleben dürfen wie es sich anfühlt, als Dogge unter vielen andern lieben Doggen leben zu dürfen. Und für uns im WoMo war es auch ohne Silja eng genug.


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Als Teil des Helferteams hatten wir das Privileg, auf dem Funktionärs-Camping im Innenraum der Rennbahn zu logieren, also in direkter Nachbarschaft zum grossen Festzelt und dem Platz der Siegerehrung, wo auch alle Verkaufsstände im Lauf der Woche einer nach dem andern aufgestellt wurden. So hatten wir optimal kurze Arbeitswege zu unseren verschiedenen Einsatzorten, was die Organisation und den Ablauf natürlich sehr erleichterte. Es war natürlich ein Riesenanlass, mit gegen tausend gemeldeten Coursinghunden und zusätzlich vielen Ersatzhunden, ebensovielen wenn nicht doppelt so vielen oder noch mehr zweibeinigen Hundebesitzern und vielen weiteren Vierbeinern auf dem Gelände, welche als nicht gemeldete Rudelnmitglieder ihre Familien begleiten durften. Wie sich bald herausstellte, waren die körperlich schweren Arbeiten wie Pfähle einschlagen für die Parkfelder und die unzähligen Wegweiser, Zeltaufbau und vieles anderes, für die Männer im Helferteam reserviert, da hatte das "zarte Geschlecht" nichts zu suchen.


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Ab Montag war ich vorerst für "allgemeine Arbeiten" eingeteilt. Was sich bald herausstellte: Büroarbeiten, gemeinsam mit verschiedenen andern weiblichen fleissigen Helferlein. Hunderte und aber hunderte von Couverts mussten erst mal etikettiert / korrekt beschriftet werden mit dem Namen der gegen tausend gemeldeten Coursinghundebesitzer aus allen Ländern Europas, die in einem ersten Schritt sorgfältig alfabetisch geordnet nach Länder in Kistchen gefüllt wurden. Anschliessend gingen wir die vielen Listen durch, um jedem der gemeldeten Zweibeiner die entsprechenden Vierbeiner zuzuordnen - bzw wurden die den Coursinghunden zugeteilten Startnummern auf die passenden Couverts notiert, und später dann in einem weiteren Durchgang die passenden Startnummern in die richtigen Couverts eingefüllt. Diese Arbeiten benötigten trotz maximalem Arbeitstempo den ganzen Montag und Dienstag, die vielen Zahlen schwirrten nur so in unseren Köpfen rum und Schichtablösungen taten immer mal wieder not. Die Arbeit mit den Couverts musste pausenlos weitergehn, die Zeit drängte wirklich. Wie glücklich waren wir, als schliesslich alles aufgegangen war, keine der Startnummern übrig blieb, keine fehlte, welche Erleichterung!!!


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Aber der Job mit den Couverts war damit noch nicht getan: Nun musste auf allen Couverts mit Hilfe einer weiteren Liste notiert werden, wer von wann bis wann einen WoMo-Platz zum übernachten reserviert, und für welche der insgesamt drei Coursingtage den Katalog bestellt hatte. Entsprechend wurden die Preise aufs Couvert notiert, die zugeteilte Nummer des richtigen Camping-Feldes dazugeschrieben und in einem weiteren Schritt dann das Couvert weiter befüllt mit den entsprechenden Materialien: Kataloge, Brotbestell-Liste fürs Frühstück, Parkkarte und dem passenden Campingfelderplan, Robidogsäckli als kleiner aber wichtiger Fingerzeig an die hiesigen Gepflogenheiten etc. Inzwischen hatte einige von uns fleissigen Helferlein notgedrungen Nachtschichten eingelegt, damit alles rechtzeitig fertig wurde. Mittwoch Mittag war für uns Deadline, ab dann wurden die ersten Gäste / Coursingteilnehmer erwartet. In Wahrheit trudelten einige von ihnen bereits ab Dienstag ein, was für uns jedes Mal einen störenden Unterbruch unserer emsigen Arbeit bedeutete, waren doch zu der Zeit weder die Campingfelder beschriftet noch die Couverts bereit...


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Ab Mittwochmittag war mein Job dann am Empfang: Begrüssung der Gäste, die mit ihren Hunden in ihren meist riesigen Campern anrollten. Sprachen waren hier natürlich gefragt, das entsprechende Couvert wurde hervorgesucht und ausgehändigt, die notierten Angaben kontrolliert und abgeglichen, der beste Weg zum richtigen Parkfeld erklärt und einkassiert. Ein schöner und interessanter Job, damit hatte das Erlebnis "Europameisterschaft" für mich definitiv begonnen. Ab Donnerstag Mittag kam ich dann zu meinem "eigentlichen" Arbeitsort, das war die Tierarzt-Kontrolle. Hier wurden die Coursing-Hunde welche am Folgetag am Start sein würden genauestens kontrolliert von einer Tierärztin, auf irgendwelche aktuelle Krankheiten oder Verletzungen. Dies bedeutete, dass vor dem Vet-Check bei jedem der Hunde der Chip abgelesen werden musste um sicher zu gehn, dass der richtige Hund kontrolliert wurde. Hier beim Chip-Ablesen und Liste abhaken war mein Platz, ein richtiger "Schoggi-Job", sitzend im kühlen Schatten des Waldrandes unter einem geräumigen Zeltdach. Im Dreierteam hatten wir so Kontakt zu den Coursinghunden und ihren Besitzern, alles friedlich und ohne Zeitdruck, da ja die Untersuchung der Hunde immer eine gewisse Zeit in Anspruch nahm, während der wir auch in aller Ruhe ein wenig plaudern konnten mit den Teilnehmern. Ein richtiger Glückspilz war ich also!


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Vet-Kontrollen gab es zweimal am Tag: Nachmittags eine erste Kontrolle für alle Läufer des Folgetages, und am Coursingtag selber nach dem ersten Lauf eine zweite Kontrolle für alle Coursinghunde die jünger als 2 oder älter als 6 Jahre waren. Hier bei dieser zweiten Kontrolle gab es schon ab und zu eine kleine Verletzung an einer Pfote oder einem Lauf zu beanstanden, einige Hunde kamen leicht hinkend vorbei, alle diese Läufer durften keinen zweiten Lauf mehr absolvieren. Die Sicherheit und Gesundheit der Hunde geht immer vor, und natürlich sind Verletzungen während der Läufe, wo die Hunde wirklich ALLES geben, nicht immer zu vermeiden. Manchmal genügt ein unglücklicher Tritt in ein Mausloch bereits, und die Verstauchung ist Tatsache. Nebst diesen Tierarzt- /Chipkontrolle-Einsätzen hatte ich meine Zeit frei zur Verfügung, einerseits für meine eigenen Hunde, die es nicht einfach hatten: Für die Sloughis eine geschlagene Woche lang praktisch keine Sekunde Freilauf, da strikte Leinenpflicht auf dem gesamten Gelände angesagt war, während ich mir für unseren Galgo-Welpen Ganador und Senior Charengo immer mal wieder kleinere Ausnahmen erlaubte, und die beiden, wenn grad keine andern Hundespaziergänger in der Nähe waren, kurz laufen liess auf dem kurzgemähten Hornusserfeld am Rand des Coursing-Geländes. Bei ihnen beiden musste ich nicht befürchten, dass sie sich verselbständigen und weglaufen würden.


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Während der verbleibenden Stunden nutzte ich die Gelegenheit, immer mal wieder meine Hilfe anzubieten im Festzelt, wo es in der Küche und am Buffet immer genug Arbeit gab und zusätzliche Hilfe hoch willkommen war. Das Coursing-Geschehen selber, das wollte ich jedoch auch geniessen können. Ich nutzte hierfür den Freitagmorgen, wo als erste am Start auf dem interessanten Parcours rot unter der Overhead-Anlage zeitig ab sieben Uhr die Galgos liefen: Hier liefen eine Tante und zwei Onkel meines Galgowelpen Ganador, diese Läufe wollte ich unbedingt sehen! Vor dem Start ergab sich auch eine schöne Gelegenheit, mit den Besitzern dieser drei Galgos ein wenig zu plaudern, ich war glücklich! Diese Galgo-Läufe hielt ich dann allesamt in meiner Fotokamera fest, eine wunderschöne Erinnerung für mich, und auch die Besitzer dieser Galgos wie auch Ganador's Züchterin freuten sich später sehr über diese Fotos auf FB. Vor meinem nächsten Einsatz bei der Vet-Kontrolle reichte mir die Zeit auch, um im Vorbeigehn auf Parcours gelb mit der Bodenzug-Anlage einige Läufe der zierlichen Italienischen Windspiele zu beobachten. Dies reichte mir, um das Coursing-EM-Feeling so richtig zu geniessen. An den weiteren beiden Coursingtagen dann lockte es mich nicht mehr so richtig zu den Parcours, sowieso liefen am Samstag die Sloughis, die zweite Rasse welche mich persönlich interessierte, zu Zeiten wo ich meine Einsätze hatte.


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Allabendlich dann die grosse Siegerehrung auf dem grossen Podest vor dem Festzelt. Von jeder Windhundrasse, welche an dem Tag gelaufen war, wurden getrennt nach Hündinnen und Rüden die sechs Hunde mit der höchsten Gesamt-Punktzahl aus den zwei Läufen geehrt. Alle Lautsprecheransagen dreisprachig, mit langen Pausen, der Anlass zog sich fast unendlich in die Länge. Irgendwann mochte ich nicht mehr zuhören, da auch die Namen der Hunde und sogar die Länderbezeichnung oft nicht deutlich zu hören waren. Wer die Sieger waren, das war mir irgendwie so ziemlich egal, kannte ich als relativer Neuling in der Szene doch kaum jemanden der geehrten. Trotzdem war ich hoch erfreut, bei den Galgo-Hündinnen wir auch bei den Galgo-Rüden je einen Verwandten meiners Ganador auf den vorderen Podestplätzen wiederzusehn: Herzliche Gratulation an Estibaliz und Filemon Barbaro del Niños Vencedores! Esti war für Team Austria, Filemon für Team Netherlands gestartet! Damit war für uns der Höhepunkt des grossen Anlasses erreicht, und wir fuhren bereits am Sonntagmittag nach der letzten Vet-Kontrolle und damit dem Ende meines Helfer-Jobs wieder los, sehnsüchtig nach unserem Silja-Mädchen, welche uns mit einem ausgelassenen Freudentanz begrüsste: Die Coursing-EM 2017 ist damit für uns zu Ende gegangen, ein einmaliges Erlebnis das uns bestimmt noch lange in schöner Erinnerung bleiben wird!




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