Charengo vom Falknerhof
war schon als dreiwöchiger Welpe der grösste, dickste, gemütlichste und eigenwilligste im Wurf, und dabei ist es geblieben.

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Unser so spezieller Langhaar-Weimaraner hat sich zu einem ungewöhnlich grossen und bildschöner Rüden entwickelt, für den es fast nichts wichtigeres gibt als das Fressen. Diese Macke hat ihm sogar zweimal fast das Leben gekostet: Ein in sehr scharfkantiges Knochenstück war steckengeblieben, und hatte zum Darmverschluss geführt; dies machte eine notfallmässige Bauchoperation notwendig!


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Charengo’s Wesen gibt mir noch immer Rätsel auf: Er ist ein Hund mit Menschenaugen! Ein richtiger Knuddelbär und Schmuseboy, der mit seinen Augen so klar spricht, dass ich glaube jedes Wort, jeden seiner Gedanken zu verstehen!


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Als Weimaraner wäre der Charengo eigentlich als Jagdhund gedacht, er ist aber für dieses Metier gänzlich ungeeignet: Dichtes Unterholz und Dornengestrüpp bei der Nachsuche sind gar nicht sein Ding! Das Apportieren macht ihm nur Spass solange es nicht zu anstrengend wird, und auch sein Jagdtrieb stösst sehr bald an seine Grenzen. Dabei habe ich, um den Kerl jagdlich führen zu dürfen, extra mit viel Aufwand die Jägerprüfung absolviert, alles umsonst – dafür bin ich über die Jagd zum Jagdhorn gekommen, was auch nicht ohne ist.


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Mit Charengo’s Züchter, Charengo’s Mama und zwei Harris Hawks durfte ich – ein Erlebnis der ganz besonderen Art – in Deutschland eine Beizjagd auf Kaninchen miterleben: Eine Art zu jagen, wo noch alles stimmt, wo das gejagte Wild noch eine echte Chance hat, wo perfekte Zusammenarbeit von Mensch, Hund und Vogel gefordert ist: Die Beizjagd ausüben, dies wird für mich einer der Träume bleiben, die ich wohl nie werde verwirklichen können – nicht hier in der Schweiz, wo die Beizjagd praktisch nur aus dem Auto auf Krähen ausgeübt wird.


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Charengo und Erziehung, das funktionierte irgendwie nicht. Nach dem Welpen-, Erziehungs- und Junghundekurs starteten wir wohlgemut ins Junghundetraining fĂĽr angehende TrĂĽmmer-Suchhunde. Da machte Charengo zwar mit Begeisterung mit, aber die stundenlange Warterei auf seinen zehnminĂĽtigen Trainingseinsatz machte mir zu schaffen und irgendwann realisierte ich, dass der enorme Zeitaufwand fĂĽr diese Ausbildung nicht vereinbar ist mit unserem Zweihunde-Haushalt, und dass die Chancen fĂĽr einen Echt-Einsatz auch nur einmal in seinem Hundeleben dermassen gering sind, dass sich das ganze fĂĽr uns nicht lohnt.


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Mit der angestrebten jagdlichen Ausbildung war auch bald einmal nichts mehr, siehe oben. Charengo durfte aber, zusammen mit Gipsy, bei der Retriever-Apportiergruppe mitmachen, was allerdings mit zwei Hunden gleichzeitig im Training fĂĽr alle von uns dreien nicht ganz banal war. Aber wir arrangierten uns


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Die Agility-Trainings, hier natürlich nicht in derselben Trainingsgruppe wie Gipsy, machten Charengo ebenfalls sehr viel Spass. Aber auch hier zeigte sich: Spass war toll, aber Leistung bringen, das war nicht seine Stärke. Es fehlte ihm nur schon durch seine Grösse an der geforderten Schnelligkeit und Wendigkeit.


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War der Charengo neben unserer sanftmütigen Flat-Hündin Gipsy noch selber das Hundebaby welches sich ihr gegenüber alles erlauben konnte, so war unser gutmütiger Knuddelboy Charengo später gegenüber unserer quirligen jungen Doggenhündin Lilofee der absolut nachsichtige grosse Kumpan: Ihm gegenüber konnte sich unsere Fee die grössten Frechheiten erlauben, er hat sie niemals wirklich energisch zurechtgewiesen.


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Auch später, gegenüber Lilofee's lebhafter elfköpfigen Welpenschar, zeigte sich unser Charengo als der ideale Ersatz-Papa, gutmütig tolerant und diskret. Und wenn ihm das bunte Treiben dann doch einmal zuviel wurde, so hat er sich ganz einfach still und leise und kommentarlos aus der Kampfzone hinweggetrollt und hat sich sein ruhiges Plätzchen gesucht, wo er wieder ungestört seine Gemütlichkeit pflegen konnte.


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Und nun, mit unseren beiden jungen, lebhaften Windhundboys zeigt sich unser Charengo trotz seines inzwischen stolzen Alters wiederum als der gmögige, liebevolle und nachsichtige "grosse Bruder", der fast alles mit sich machen lässt. Und wenn ihm irgendwann dann doch die Sache zu bunt wird so gibt es keinerlei Szenen, der Charengo ist einfach plötzlich weg und zieht wieder in Ruhe seine eigene Bahn durchs Leben.


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Unser Charengo ist und bleibt ein Unikum, ein gänzlich atypischer Hund, der seine eigenen Wege geht, der mit mir spricht wie ein Mensch, der mich ansieht wie ein Mensch, und der sich für nichts so gut eignet wie zum knuddeln und schmusen. Mein Knuddelbär eben. Ich bin stolz und glücklich mit ihm, meinem einmaligen "Menschenhund" Charengo!

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