Erstmals ĂŒberhaupt haben wir mit unseren drei quirligen jungen Windhunden im Wohnmobil den weiten Weg durch den Gotthard ins Tessin in Angriff genommen. Dieses Wochenende waren die Coursing-Schweizermeisterschaften angesagt, organisiert vom Windhund-Rennverein "Amatori del Levriero Lostallo". Hier wollte ich meinen Qa'ani starten lassen, welcher ja die Qualifikationskriterien fĂŒr eine Teilnahme locker erfĂŒllt. Unsere erste grosse Sorge "Stau am Gotthard" erwies sich glĂŒcklicherweise als unbegrĂŒndet. Wir hatten den Gotthardtunnel um die Mittagszeit durchquert - schlechter dran waren leider alle diejenigen, welche ab Mitte Nachmittag dort unterwegs waren, denn die Strecke war zu der Zeit wegen diverser schwerer UnfĂ€lle ĂŒber Stunden unpassierbar.
 
Die Rennbahn ist direkt an der Autobahn gelegen, in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer Mini-Auto Rennbahn, deshalb insbesondere an Wochenenden ziemlich lĂ€rmig, und zu unserer Überraschung gar nicht im Tessin, sondern im Kanton GraubĂŒnden gelegen! Zweite Überraschung: Die Betreiber der Rennbahn und Organisatoren der Meisterschaften waren zumindest grossmehrheitlich wenn nicht gar allesamt keine Tessiner, sondern Deutschschweizer, welche sich hier auf dem RennbahngelĂ€nde offensichtlich in einer Art Dauer-Camping-Feriendorf gemĂŒtlich eingerichtet haben. Sogar ein sicher eingezĂ€untes, grosszĂŒgig bemessenes Hunde-FreilaufgelĂ€nde zwischen Autobahn und Rennbahn bot die einmalige Gelegenheit, unsere Windis auf unerwartete Weise verwöhnen zu können. Damit war unser Wochenende auf jeden Fall bereits gerettet, tolle Sache! DafĂŒr waren GĂ€ste-Camping und Parking eher knapp bemessen - aber da am Samstag nur einige wenige der weniger zahlreich vertretenen Windhundrassen am Start waren (Azawakh, Barsoi, Saluki, Sloughi), gab es fĂŒr uns kein Problem. Die Stimmung war locker, die Organisation entspannt und nach SĂŒdlĂ€nder-Art unkompliziert und gelassen. Aber die allergrösste wundersame Überraschung fĂŒr mich kam nachts in voller Dunkelheit, als ich die Hundis nochmals fĂŒr's dringende Pipi nach draussen fĂŒhrte: Die WeidenbĂ€ume ĂŒber unserem Wohnmobil und dem Festzelt leuchteten im allerschönsten, lebendigen Lichtspektakel: GlĂŒhwĂŒrmchen in riesiger Zahl flogen in stĂ€ndig wechselnden, wunderschönen Formationen in den Zweigen umher, einige hatten sich sogar ins Festzelt verirrt: Eine grandiose Licht-Show, schöner als jedes menschengemachte Feuerwerk!


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Wir hatten am Samstag lediglich insgesamt 36 LĂ€ufe auf dem Programm, das Zeit-Management schien also keine Probleme zu bereiten. Deshalb erstaunte es wenig, dass bereits der Beginn der LĂ€ufe mit einiger VerspĂ€tung schliesslich doch noch erfolgte. Es war dies unser allererstes Coursing mit einer Bodenzug-Anlage, wo das Seil mit dem Hasenfell nach jedem Lauf neu die ganze Laufstrecke entlang ĂŒber die im Boden befestigten Laufrollen gezogen wird, mit Hilfe eines Motor-Vehikels. Die Pausen zwischen den LĂ€ufen sind entsprechend lang. Irgendwann dann kam endlich auch unser Qa'ani an die Reihe, und er lief ganz wunderbar, mir schien alles wirklich perfekt. Seinem Begleiter widerfuhr nach einer sehr guten Startphase leider in einer steilabwĂ€rts-Passage ein Missgeschick, er stolperte und machte einen ungewollten Doppelsalto, fing sich dann aber nach einem ersten grossen Schreck zum GlĂŒck wieder auf und beendete ebenfalls seinen Lauf mit nur wenig VerspĂ€tung. Wir alle hofften natĂŒrlich, dass er sich bei seinem heftigen Sturz keine ernsthaften Verletzungen zugezogen hatte. FĂŒr's erste schien er jedenfalls unverletzt zu sein. Nach diesem Lauf aber, beim zweiten Lauf der Sloughi-RĂŒden, geschah was irgendwie bei jedem Coursing fast regelhaft passiert wenn die Sloughis an der Reihe sind: Das Seil riss, wĂ€hrend die Sloughis am laufen waren, kurz nach dem Start. Und das Seil riss beim nĂ€chsten Anlauf erneut, und dann noch ein drittes Mal: Das inzwischen vom taunassen Gras voll getrĂ€nkte, nasse und schwere Hasenfell war offenbar derart schwer geworden, dass das Zugseil irgendwo auf der Strecke an scharfkantigen Schiefersteinen scheuerte, so dass schliesslich ein lĂ€ngerer Unterbruch notwendig wurde, um die Stelle im GelĂ€nde zu finden und zu beseitigen - die LĂ€ufe zogen sich mit diesem Malheur fast endlos in die LĂ€nge, und die zwei Sloughi-RĂŒden durften ihren Lauf dann in einem vierten Anlauf ganz am Ende des Vormittags-Programmes endlich doch noch absolvieren!


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Inzwischen war mir klar geworden, dass entgegen meiner Annahme sogar hier bei der Schweizermeisterschaft die Möglichkeit bestand, mit nicht-lizenzierten Hunden ProbelĂ€ufe zu absolvieren. Insbesondere heute Samstag stand die Chance gut, weil so wenige regulĂ€re LĂ€ufe auf dem Programm standen. Ich packte natĂŒrlich die Gelegenheit und bewarb mich fĂŒr je einen Probelauf mit Parween und Ganador, was zu meiner grossen Freude schliesslich auch bewilligt wurde. Im Anschluss an die VormittagslĂ€ufe durfte als erster mein Parween laufen. Er war der erste LĂ€ufer, der den inzwischen bereits fĂŒr die zweiten LĂ€ufe am Nachmittag umgestellten Parcours testen durfte. Das Ganze war dann offensichtlich noch nicht ganz ausgereift, mit grossem Schrecken konstatierten die Organisatoren eine sehr heikle Stelle wo die Hunde Gefahr laufen wĂŒrden, mit einer Hausecke im GelĂ€nde zu kollidieren - glĂŒcklicherweise nahm Parween diese kritische Stelle mit Bravour, aber der Parcours hatte es in sich, mit einer sehr steil ansteigenden Strecke im letzten Drittel, wenn die Hunde bereits eine ganze lange Strecke ebenaus in vollem Tempo gelaufen sind. Auch unser Ganador, der seinen Probelauf nach der Mittagspause direkt vor den offiziellen zweiten LĂ€ufen absolvieren durfte, bewĂ€ltigte diesen eigentlich zu strengen Parcours quasi "mit links". Er lief den allerersten Coursinglauf seines jungen Lebens wie ein erfahrener Rennhund ohne jegliches Zögern, und kam im Ziel an ohne die geringsten Erschöpfungszeichen: Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer zeigt der junge Wichtelmann, es ist wirklich erstaunlich! Nach den ProbelĂ€ufen aber musste der Parcours nochmals umgestellt werden, die Richter befanden das SteilstĂŒck als zu anspruchsvoll...


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Die zweiten LĂ€ufe am Nachmittag konnten anschliessend allesamt ohne weitere Komplikationen absolviert werden. Qa'ani war zu meinem grossen Erstaunen erneut mit seinem Laufpartner vom Vormittag eingeteilt. Ich war darĂŒber nicht wirklich glĂŒcklich, da somit ein Vergleich mit den andern zwei RĂŒden gar nicht möglich war. GemĂ€ss Reglement musste ich also leider davon ausgehen, dass Qa'ani im ersten Lauf als zweitschlechtester der vier Sloughi-RĂŒden gewertet worden war, die Hoffnung auf eine gute Platzierung konnten wir damit bereits begraben. Wiederum lief Qa'ani auch am Nachmitag nach meinem DafĂŒrhalten tadellos, wĂ€hrenddessen sein Begleiter den Hasen einige Male aus den Augen verlor, stehen blieb, aber dann schliesslich doch ins Ziel gelaufen kam, mit einiger VerspĂ€tung. Qa'ani schien nach diesem zweiten Lauf völlig in Ordnung, doch nach einer kurzen Pause zurĂŒck im Wohnmobil brachte ich meine drei Windis nochmals zur Freilaufwiese wo ich mit grosser Sorge feststellte, dass Qa'ani an seiner linken Vorderpfote ganz leicht hinkte. Die Untersuchung ergab einen eindeutigen Schmerzpunkt im Bereich der Innenzehe am letzten Zehenglied bzw am Krallenansatz. Hoffentlich war es keine Fraktur oder ernsthafte Zerrung! Nicht allzu selten fĂŒhrt ein abrupter Stopp zum Einstauchen der Kralle.... SpĂ€ter, nach einem wohlverdienten spĂ€ten Mittagessen und einer guten Stunde Tiefschlaf fĂŒr die drei Hundis hinkte mein armer Qa'ani so deutlich, dass ich fast Skrupel hatte, den armen Wicht zur Siegerehrung mitzubringen. Die RangverkĂŒndigung zeigte dann was ich bereits vermutet hatte: Qa'ani erhielt den dritten Rang zugesprochen, die beiden RĂŒden welche den ersten Lauf wegen der Pannen viermal beginnen mussten hatten offensichtlich bei den Richtern einen Sonderbonus in der Bewertung erhalten, und teilten sich die vordersten zwei RĂ€nge. Dies ist der einzige Punkt bei den Coursings, nebst der Verletzungsgefahr natĂŒrlich, der fĂŒr mich eine Art Wermutstropfen darstellt: Genauso wie bei den Schönheitswertungen sind auch hier die Bewertungskriterien sehr weich und "gummig", also steht fĂŒr die Richter TĂŒr und Tor offen fĂŒr meiner Meinung nach völlig beliebige Bewertungen fĂŒr alle die Hunde, welche im Prinzip tadellos laufen. Ein oder zwei Punkte mehr oder weniger, das ist schlicht Zufall bzw sehr subjekti geprĂ€gt, und macht dennoch den Unterschied zwischen Sieger und Verlierer. Nach dieser kleinen EnttĂ€uschung fĂŒr mich endete das Abenteuer Coursing-SM fĂŒr uns dann aber doch noch glĂŒcklich und positiv: Auch die RĂŒckfahrt durch den Gotthard verlief fĂŒr uns wiederum ohne jeglichen Stau, trotz eigentlich erwartetem Ferienende-RĂŒckreiseverkehr, und mein Qa'ani war spĂ€tabends als wir nach der langen RĂŒckfahrt wieder zuhause waren völlig wiederhergestellt, kein Hauch von Hinken mehr, trotzdem er von mir keine Schmerzmittel erhalten hatte. Dies ist fĂŒr mich das wichtigste: Nach einem solchen Abenteuer mit gesunden, glĂŒcklichen Hunden wieder zuhause zu sein.





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